Fliesen selber verlegen
Selbst ist der Mann. Dieser Grundsatz ist generell richtig, bedingt aber auch, dass man(n) wirklich weiß, was zu tun ist. Planloses und nicht fachgerechtes Vorgehen, gerade beim Fliesenlegen, führt unter Garantie zum völligen "Super-Gau".
Wenn Sie also Fliesen selbst verlegen wollen, finden Sie hier einen kurzen Leitfaden zur Vorgehensweise.
1. Fliesen kaufen - Auswahl der Fliesen
Sicher müssen die Fliesen gefallen, aber Fliese ist nicht gleich Fliese. Der gebrannte Bodendecker unterscheidet sich in fünf Qualitätsklassen, die je nach Verlegungsort mehr oder minder relevant sind.
Gruppe eins sind die Wand Fliesen - sie sind auch nur als solche zu verwenden. Die zweite Qualitätsklasse ist geeignet für leichte Beanspruchungen, also im privaten Bereich für Wand und Boden.
Die Qualitätsklassen drei und vier sind zwar auch für den privaten Gebrauch gedacht, sind aber ungleich belastbarer. In viel belaufenen Gängen sollten Sie also eher zu einer dieser beiden Qualitätsklassen greifen.
Die Klasse fünf ist für den öffentlichen und gewerblichen Bereich geeignet und hält somit selbst stärksten Beanspruchungen stand.
2. Werkzeug zum Fliesen
Auch hier sollte nicht gespart werden - denn sicherlich ist Geiz zwar geil, aber gutes Werkzeug kostet leider auch "gutes" Geld.
Fliesenschneider: Das obligatorische Werkzeug schlechthin beim Fliesenlegen
Zahnspachtel: Zum gleichmäßigen Auftragen des Fliesenklebers
Papageienzange: Diese hilft beim Ausschneiden von Aussparungen
Flex: Ausgestattet mit einer Diamanttrennscheibe kann sie zum Trennen von Fliesen und Herstellen von Aussparungen genutzt werden
Fliesenbohrer: In verschiedenen Größen, zum Herstellen von Löchern z.B. für Armaturen
Gummispachtel: Zum Auftragen der Fugenmasse
Schwammbrett: Hilft beim Abwaschen der Fugenreste
Eimer und Rührer: Wird für die fachgerechte Anmischung des Fliesenklebers benötigt
Schlagschnur: Unabdingbar beim genauen Ausrichten der Fliesen
Gummihammer: Hilft beim Anklopfen und Verfestigen der Fliesen
3. Fliesenkleber
Vor gar nicht allzulanger Zeit wurden Fliesen im sog. Dickbettverfahren verlegt, also in eine mindestens 1,5cm dicke Mörtelschicht. Dieses Verfahren brachte den Vorteil, dass so auch größere Unebenheiten ausgeglichen werden konnten.
Die heutigen Kleber sind sog. Dünnbettkleber auf Zementbasis. Diese werden an der Baustelle mit Wasser angerührt und ein absolut ebener Boden ist hier ein maßgebliches Kriterium. Wenn Höhenunterschiede jenseits von 4-5 mm bestehen, ist es zwingend notwendig, dass diese mittels Nivelliermasse ausgeglichen werden.
Der Fliesenkleber wird, entsprechend der individuellen Anleitung, in einem Eimer mit Wasser angerührt. Anschließend wird er mit einer Kelle auf die zu verfliesende Fläche aufgetragen und dann mit einem Zahnspachtel verteilt.
Es gibt im gut sortierten Fachhandel für die verschiedenen Fliesenarten (z.B. Glasmosaik oder Steinfeinzeug) und Einsatzbereiche (z.B flexible Verlegung) einen speziellen Kleber. Hier sollte man eine Beratung im Baumarkt nicht scheuen, denn der richtige Kleber erleichtert das fachgerechte Arbeiten ungemein.
4. Fliesen Verlegung
Bevor es jetzt an das Verlegen geht, sollte man sich ein gedankliches Bild über die Flächenauteilung machen. Zu beachten ist auch, ob die Symmetrie der Bodenfliesen auch zu den Wand Fliesen passt.
Ergänzend hierzu ist es sehr sinnvoll, wenn man vor dem Kleben ein paar Fliesen lose in dem jeweiligen Raum auslegt, um sich so ein Bild von der späteren Optik machen zu können.
Der Aufriss, die Flächeneinteilung und der rechte Winkel:
Zuerst muss ein rechter Winkel auf der zu verfliesenden Bodenfläche konstruiert werden bzw. ein 45 Grad Winkel, falls Sie Ihre Fliesen diagonal verlegen wollen.
Ermitteln Sie die Mitte des Raums (zwei Striche über Kreuz ziehen, von Ecke zu Ecke) und ziehen Sie anschließend einen Strich quer dazu.
An dieser Stelle ist es wichtig, dass die Ausrichtung der ersten Reihe so gelegt wird, dass die Abschlussreihe mindestens eine halbe Fliesen Breite beträgt.
Vor dem Hintergrund der oben erwähnten Symmetrie, kann es bei kleinen Räumen besser sein, wenn man im vorderen Teil des Raums mit ganzen Fliesen und im hinteren Teil erst mt den zuzuschneidenden Fliesen Stücken arbeitet.
Wenn Ihnen das zu schnell ging, denken Sie an den obigen Tipp: Legen Sie die Fliesen vor der Verklebung aus, dann können Sie sich am besten ein Bild von der späteren Optik machen.
Die eigentliche Verlegung beginnt nun an der gezogenen Markierung der ersten Reihe. Danach wird die zweite Reihe im rechten Winkel verlegt und nach diesem Schema wird der Raum komplett verfliest. Tragen Sie den Fliesenkleber jeweils nur für die gerade zu verlegende Reihe auf. Nachdem die Fliese in das Klebergett gelegt wurde, wird sie mittels eines Gummihammers leicht (!) angeklopft.
5. Fliesen verfugen
Nachdem der Fliesenkleber abgetrocknet ist (siehe Herstellerangaben), kann die Fliesen Fläche verfugt werden. Ähnlich wie der Fliesenkleber, wird der Fugenmörtel als Trockenmischung angeboten und muss je nach Herstellerangaben mit Wasser angerührt werden. Stimmen Sie die Farbe des Fugenmörtels zu der Fliesen Optik ab. Weiterhin muss die Fugenbreite beachtet werden - normale Fugenfüller sind lediglich bis 4mm geeignet.
Nach dem Anrühren des Fugenfüllers, wird dieser in kleinen Mengen aufgebracht und mit dem oben genannten Fugengummi diagonal in die Fliesen Spalten eingerieben.
Nach dem Eintrocknen des Fugenfüllers (ca. 15 Minuten) kann der überschüssige Rest mittels eines Schwammbretts entfernt werden, wobei auch hier wieder diagonal zu den Fliesen gearbeitet werden sollte. Wichtig ist der richtige Zeitpunkt, denn wenn der Mörtel noch zu nass ist, wird er quasi aus den Fugen heraus gewaschen und falls er bereits zu trocken ist, kann er nur schwer entfernt werden.
Der übrig gebliebene Mörtelschleier wird nun noch mit einem weichen Baumwolllappen entfernt und voilà - fertig ist der Heimwerker.
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